Warum es keine wirkliche Sexismus-Debatte gibt

Auszüge aus meiner heutigen Mailbox:

Ich kann nur hoffen, dass Tschäppät nicht ausgerutscht ist und dort gelandet ist wos für gewisse Frauen am Schönsten ist. mfG Trump schweiz

Hallo Aline. Du wolltest wohl einfach wieder mal in den Medien erscheinen, und sei es noch so mit einer fiesen Attacke! Ja, was macht man nur, wenn man sonst nicht mehr beachtet wird, gell? Mit freundlichen Grüssen R.B.

Sie sollten sich schämen, solche Aussagen zu machen, denn wenn eine solche freundschaftliche Berührungen unter „Sexismus“ eingestuft wird, dann ist ein Grossteil der Menschheit „sexistisch“……………….Ich glaube eher, dass ihre Aussagen ein „Tussengetue“ ist und fern ab von jeglicher Vernunft einzustufen ist. Vielleicht hat sogar die Vergleichs-Aussage von Nationalrat Andreas Aebi seine Richtigkeit.

Gleichbehandlung der Geschlechter bedeutet eben auch, dass man mal was wegstecken muss. Unter Männer wird auch nicht immer nur „anständige“ Konversation geführt. Die Beispiele welche Sie im TV erwähnen sind die Sendezeit nicht wert.
Sie sind eine typische Repräsentantin der weichspühler Generation – noch nie was wirkliches im Leben geleistet, aber überall mitreden wollen. Sie verkörpern zudem einen verkrampften Frauentyp (mit sich und dem Leben unzufrieden) der mehrheitlich aus Linken zusammengesetzt ist, oft aus zerüteten oder „modernen“ Familien abstammen und ganz einfach nicht mit beiden Beinen geerdet sind. Nur gut, dass dieser Typ von Frauen in aller Regel durch ihr gestresstes, verklemmtes, unsicheres Äussers auffällt. Die Kommentare in den Onlinemedien sprechen für sich – bravo, ein Eigengoal.

Politisches, sowie weltliches Klima leiden

Meine letzte Kolumne in der Südostschweiz am Sonntag:

Der Rechtsrutsch vom letzten Sonntag verspricht kein gutes politisches Klima für die nächsten 4 Jahre. Doch nicht nur dem politischen Klima geht es schlecht, auch dem Weltklima.

Auch wenn die Politik nicht gerne darüber spricht: Der Klimawandel ist da und wird bleiben. Was wir heute noch beeinflussen können, ist, wie verheerend die Folgen sein werden. Ende November treffen sich die KlimadiplomatInnen dieser Welt in Paris, um eine globale politische Antwort auf den Klimawandel zu finden.

An der Klimakonferenz in Paris 2015 soll ein umfassendes und verbindliches Abkommen für die globale Klimapolitik verabschiedet werden. Dieses folgt auf das Kyoto-Protokoll, welches 2020 ausläuft. Ein Abkommen ist wichtig, denn die dringend notwendige Reduktion der Treibhausgase ist weder in der Schweiz noch global in Sicht. Der neuste Bericht des Weltklimarats zeigt die Auswirkungen des Klimawandels auf. Besonders bedroht ist die Nahrungsversorgung. Kann der Klimawandel nicht gebremst oder gestoppt werden, ist ein Rückgang der Erträge von Weizen, Reis, Soja und Mais um bis zu ein Fünftel im Laufe des Jahrhunderts zu erwarten.

Ob der Klimagipfel erfolgreich sein wird, ist mehr als ungewiss. Und auch ein Blick in die Schweiz verleitet kaum zu Optimismus. Der Rechtsrutsch bei den Nationalratswahlen hat wohl zur Folge, dass die Energiestrategie 2050 noch mehr verwässert wird und die Energiewende kaum Fuss fassen kann.

Speziell im Bereich der Mobilität sind Massnahmen mehr als nötig, verursacht der Verkehr bereits mehr als 30 Prozent der relevanten Treibhausgase. Trotzdem wird in der Schweiz das CO2-Ziel der Neuwagenflotte nicht erreicht. Im Jahr 2015, also jetzt, sollte der durchschnittliche Ausstoss der Flotte nicht mehr als 130g C02/km sein. Das Ziel bleibt hehrer Wunsch, solange es keine CO2-Abgabe auf Treibstoffe gibt. Das nächste, welches die EU definiert hat und wir übernommen haben ist 90g Co2/km bis 2020. Die Einführung in der Schweiz beginnt erst nächstes Jahr, es ist also davon auszugehen, dass auch dieses Ziel nicht erreicht wird.

Doch noch stossender ist, dass der gesamte Flugverkehr von der Klimapolitik ausgeklammert wird. Kerosinbesteuerung? Fehlanzeige. Während alle anderen Verkehrsmittel für ihren Energieverbrauch besteuert werden, also auch der nachhaltige Verkehr Steuern zahlen muss, bleibt der Flugverkehr verschont. Anstatt also das klimaschädliche Fliegen zu verteuern, wird es indirekt subventioniert, solange der Flugverkehr in den Abkommen und damit auch bei der Berechnung des CO2-Austosses nicht berücksichtig wird. Oder wie der Bundesrat in einer Interpellationsantwort von mir festhält: „Soweit eine Verlagerung [vom Nachtzug] auf den Flugverkehr stattfindet, nehmen die CO2-Emissionen zwar zu. Im Hinblick auf das Schweizer Reduktionsziel ist dies aber neutral, weil […] der internationale Flugverkehr gemäss Regeln des Kyoto-Protokolls nicht berücksichtigt wird.“ Mehr Fliegen hilft also bei der Erreichung der Klimaziele?! Zynischer geht Politik kaum.

Es bleibt zu hoffen, dass sich die schlechten Vorzeichen für Paris nicht bewahrheiten und dass doch klare Abmachungen getroffen werden, welche unserem Klima helfen, auf den Beinen zu bleiben.

Ich befürchte jedoch, dass die Schweiz in der nächsten Legislatur nicht gerade eine Vorreiterrolle in Sachen Umweltpolitik einnehmen wird. Wenn wir sehen, wie das ökologische Lager im Parlament geschwächt wurde, müssen wir uns auf die Gesellschaft verlassen. Es braucht wieder eine Umweltbewegung von unten herauf, welche der Politik ganz klar aufzeigt, was wichtig wäre für unsere Erde und dass Geld nicht jedes (Umwelt-)Problem löst. Ich beginnt an der Klimademo in Paris, vielleicht sind Sie ja auch dabei?

Und nun noch in eigener Sache: da ich letzten Sonntag abgewählt wurde, ist dies meine letzte Kolumne für Sie. Ich danke für die vielen – auch kritischen – Rückmeldungen, die Leserbriefe und die Briefpost, welche ich in den letzten 2.5 Jahren von Ihnen bekommen habe. Sie haben mich gefreut und mir gezeigt, dass ich nicht ins Leere schreibe. Ich hoffe Sie bleiben den politischen Kolumnen treue LeserInnen und geben meinen NachfolgerInnen die gleichen Feedbacks wie mir. Eine Tür schliesst sich, andere werden sich öffnen – Adieu!

 

Abwahl

Ich wurde letzten Sonntag, 18. Oktober 2015, abgewählt. Eine schmerzhafte Erfahrung.

Mein Nationalratsmandat habe ich voller Energie und mit ganzem Herzen ausgeführt. Ich danke allen, die mich in den letzten Jahren unterstützt haben.

Wir sehn uns.

Elternzeit – jetzt!

Bitte unterschreibt die Petition, damit das neu gewählte Parlament endlich vorwärts macht beim Vaterschaftsurlaub und der Elternzeit: www.junge-eltern.ch

 

Petitionstext:

In den letzten 10 Jahren sind 25 Anläufe für die Einführung eines Eltern- oder Vaterschaftsurlaubes im Parlament gescheitert.

Am 1. September 2015 hat die ständerätliche Kommission für Soziales und Gesundheit die Verhandlungen über eine parlamentarische Initiative von Martin Candinas (CVP) zur Einführung eines zweiwöchigen Vaterschaftsurlaubes finanziert über die Erwerbsersatzordnung EO sistiert.
Die ständerätliche Kommission hat nun auch diesen sehr bescheidenen Vorschlag auf den St. Nimmerleinstag verschoben, obwohl eine Mehrheit der Bevölkerung heute klar eine Lösung verlangt. Eine Studie von Travail.Suisse hat gezeigt, dass 80% der Befragten den Vaterschaftsurlaub befürworten.
Die Unterzeichnenden dieser Petition fordern neu gewählte auf, die Verzögerungstaktik endlich aufzugeben. Das neue Parlament muss die Einführung eines flexiblen Elternschaftsurlaubes, oder mindestens eines bezahlten Vaterschaftsurlaubes, zuoberst auf seine Traktandenliste setzen. Bereits heute unterstreichen die vielen, bereits existierenden Lösungen in grösseren Unternehmen, dass umsetzbare Modelle existieren.

Diese Petition soll am 30. November, dem ersten Sitzungstag des neuen Parlaments, der neu gewählten Präsidentin des Nationalrates übergeben werden.

Appell „Hetze gegen ältere Generation muss aufhören!“

 

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Nein zur Hetze Jung gegen Alt!

Wir sind empört. Empört, als junge Menschen und junge Eltern unter dem Deckmantel der „Generationengerechtigkeit“ für eine Kampagne gegen eine starke AHV missbraucht zu werden. Angeblich würden wir „Jungen“ gezwungen, immer mehr für die Renten der „Alten“ zu bezahlen. Das verletze den „Generationenvertrag“ und die Alten würden damit „auf Kosten der Jungen“ leben. Diese Argumentation ist so falsch wie perfid. Wir sind ausserordentlich dankbar dafür, was die Generationen unserer Grosseltern und unserer Eltern für uns geleistet haben. Sie haben dieses Land in schwierigen Zeiten aufgebaut und hervorragende Infrastrukturen, ein ausgezeichnetes Bildungs- und Gesundheitswesen und effiziente Sozialversicherungen geschaffen. Unser Wohlstand fusst auf Jahrzehnten harter Arbeit dieser Generationen. Wir sind auch dankbar für alles, was sie heute für uns tun, etwa bei der Betreuung unserer Kinder. Es ist unsere Pflicht, und wir erfüllen sie mit Stolz, den Generationen vor uns ein Alter in Würde zu garantieren. Gegen unsere Grossmütter, Grossväter, Väter und Mütter zu hetzen, ist verantwortungslos und schadet dem Zusammenhalt der Generationen in der Schweiz.

AHV : Gut für Jung und Alt!

Die Behauptung, die AHV würde die junge Generation über die Massen belasten, ist schlicht falsch. Das Gegenteil ist der Fall: Die AHV bietet für das Gros der Bevölkerung das beste Preis-Leistungsverhältnis. Ein Paar das heute die Maximalrente von 3150 Franken bekommt, zahlte bis zur Pensionierung 460’000 Franken an Lohnbeiträgen an die AHV. Um auf die gleiche Rente zu kommen, hätte das gleiche Paar über 800’000 Franken privat ansparen müssen. Wegen der solidarischen AHV-Finanzierung und weil keine Versicherungen die hohle Hand machen, ist die AHV äusserst attraktiv. Auch in Zukunft. Bei der privaten Vorsorge fliesst dagegen viel Geld ab. In der zweiten Säule streicht die Finanzwirtschaft jährlich 6.4 Milliarden (2013) Vermögensverwaltungskosten ein, Geld das den Versicherten fehlt.

Die AHV ist nicht gefährdet!

Seit Jahren versuchen uns die AHV-Gegner weiszumachen, die erste Säule stehe kurz vor dem Ruin. Sie behaupten, die junge Generation müsse heute für die AHV zahlen, werde selber aber nicht mehr profitieren. Alle Defizit-Prognosen der Vergangenheit erweisen sich als Schwarzmalerei. Seit 1975 wurden die AHV-Lohnbeiträge nie erhöht. Nur ein zusätzliches Mehrwertsteuerprozent kam vor knapp 20 Jahren dazu. Dennoch stieg die Zahl der AHV-Rentnerinnen und Rentner seit damals von 960‘000 auf 2.2 Millionen. Die AHV ist eine äusserst leistungsfähige Sozialversicherung. Wegen der Baby-Boomer-Generation braucht es nun eine Zusatzfinanzierung. Diese kann und muss ohne Rentenkürzungen erfolgen. Etwa mit einem Mehrwertsteuerprozent, das nicht nur die Erwerbstätigen belastet. Anders als von den AHV-Gegnern suggeriert, hängt die AHV-Finanzierung nicht nur von den Erwerbstätigen ab.

Nein zur Heuchelei !

Jene die behaupten, sie würden im Namen der jungen Generation sprechen und ihre Interessen verteidigen, sind Heuchler. Ihnen geht es nicht um eine gute und sichere Altersvorsorge. Sie wollen das Rentenalter erhöhen, obwohl es gar nicht genug Arbeitsplätze gibt. Sie wollen die Rentenleistungen tief halten, damit die Versicherungen möglichst gute Geschäfte machen.

Und sie bekämpfen konsequent wichtige Anliegen der Jungen: Erhöhung der Stipendien, Erhöhung des Bundesbeiträge für Bildung und Forschung, Sicherung der Energiewende für eine nachhaltige Zukunft, usw. Sie scheuen sich nicht einmal, die Jugendlichen frontal anzugreifen, z.B. bei der Revision der Arbeitslosenversicherung oder bei den Debatten um die Sozialhilfe.

AHV stärken!

Die Angriffe auf die AHV sind nicht im Interesse der Jungen. Auch wir werden einmal alt. Dann sind auch wir auf eine gute Altersvorsorge angewiesen. Die wichtigste Rolle spielt dabei die AHV. Deren Renten hinken aber immer mehr der Lohnentwicklung hinterher. Deshalb muss die AHV gestärkt werden. Das ist intelligent und finanzierbar.

Bern, 25. September

Jean Christophe Schwaab, Cédric Wermuth, Valérie Piller Carrard, Aline Trede

Votez femmeuses vertes!

Die Femmeuses vertes haben mit einer Aktion vor dem Bundeshaus ihr Manifest lanciert, das hier zu lesen ist. Aus 14 Kantonen haben sich Frauen zusammengeschlossen, um gemeinsam für mehr Frauen im Parlament, ein jüngeres Durchschnittsalter und eine grünere Politik zu kämpfen.

Zieglerspital sofort als Asylunterkunft umnutzen – Petition unterschreiben

Es ist seit einem Jahr bekannt, dass das Zieglerspital 2015 geschlossen wird. Am  28. August 2015 wurde der Betrieb eingestellt und das Spital steht seither leer. Die Spital Netz AG hat für den Grossteil des Gebäudes keine weitere Verwendung. Es könnte also ab sofort einem neuen Zweck zugeführt werden, zum Beispiel der Unterbringungen von Asylsuchenden. Anstatt diese Gelegenheit zu nutzen, lässt Regierungsrat Käser das Spital leer stehen und will Flüchtlinge trotz Kälteeinbruch in Zelten einquartieren. Das ist inakzeptabel!

Asylsuchende in Zelten und unterirdischen Anlagen einzuquartieren ist eines so reichen Landes nicht würdig. Jetzt ist rasches Handeln statt Abwarten und Taktieren gefragt! Auf unbürokratischem Weg müssen der Kanton, die Spital Netz AG und die Stadt Bern das Zieglerspital als menschenwürdige Asylunterkunft sofort zur Verfügung stellen.

Gemeinde und Kanton sind zudem weiterhin in der Pflicht, die Notunterkunft Hochfeld zugunsten einer oberirdischen Unterkunft aufzuheben. Diese wurde 2012 als provisorische Notunterkunft für sechs Monate in Betrieb genommen – das Zieglerspital bietet nun die Möglichkeit, dieses unwürdige Providurium endlich zu beenden.

Die Unterzeichnenden fordern Regierungsrat Käser auf:

– Die Umnutzung des Zieglerspitals jetzt zu ermöglichen und als Asylunterkunft zu öffnen.
–  Die Notunterkunft Hochfeld zu schliessen und den Asylsuchenden sofort oberirdische Wohnplätze zur Verfügung zu stellen.

Hier Petition unterschreiben

Klima, who cares?

Meine Kolumne in der Südostschweiz am Sonntag

Wir befinden uns in einem Hitzesommer. Und doch ist die Klimaveränderung praktisch kein Thema. Alle Vorkommnisse werden immer als Ausnahmen oder Zufälle abgetan. Es stimmt dass immer mal ein aussergewöhnlich heisser Sommer stattgefunden hat, aber sie häufen sich und wir sind noch mit anderen Naturphänomenen konfrontiert. Die Hitze ist das eine.

Das Hochwasser das andere. Auch dieses Jahr wurde es bei der Schneeschmelze wieder brenzlig an Seen und Flüssen. Die schlimmen Bilder blieben zum Glück aus. Es werden Millionen in Hochwasserverbauungen investiert, wer weiss, ob das in 10 Jahren genug ist. In Holland beispielsweise erhöhen sie schon heute an vielen Orten ihre Dämme, da sie neu von anderen Szenarien und einem höheren Wasserspiegel ausgehen.

Doch auch Unwetter haben die Schweiz dieses Jahr schon heimgesucht. Erinnern wir uns an die Überschwemmungen auf der Autobahn in Will, aus dem nichts, ein Fluss anstatt eine Strasse. Auch hier hiess es wieder, ui, das war einfach Pech.

Der erste kleine Tornado hat dieses Jahr eine deutsche Kleinstadt durcheinandergewirbelt. Wir werden uns in Zukunft öfters mit solchen Wetterphänomenen auseinandersetzen müssen, ob wir wollen oder nicht.

In der Nähe von Schweizer Bergdörfern werden bereits Auffangbecken für Geröll erstellt, für Millionen von Franken, weil der Permafrost schmilzt und sich Gestein löst, welches dann ins Tal rollt. Wenns gut geht in kleinen Mengen, wenns nicht so gut geht, in sehr grossen Mengen, welche eventuell dann Dörfer zuschütten. Die Gefahr ist in diesen Dörfern allgegenwärtig.

Wir hätten aber die Chance das zu bremsen, in dem wir mehr aufs Klima achten, in dem wir endlich griffige Massnahmen im Klimaschutz politisch durchsetzen und auch einhalten. Die Klimakonferenz, welche im Dezember in Paris stattfindet ist medial bis jetzt kaum präsent. Obwohl viele Entscheidungen endlich getroffen werden müssen und auch die Schweiz ihre Aufgaben machen müsste.

Doch was passiert in der Schweiz? Nichts, nein sogar das Gegenteil. Beginnen wir beim Autokauf. Der Offroaderboom hält zum Beispiel immer noch an. Obwohl das Parlament eine CO2-Grenze für Neuwagen von 130g CO2/km festgesetzt hat sind rund 40% der Neueinlösungen von Autos Offroader oder SUVs. Die schweren Autos werden nicht zum Transport oder für unwegsames Gelände gebracht, sondern werden im Mittelland eingelöst. Niemand kommt besser zum Ziel, nur weil er oder sie 1 Tonne mehr mit sich rumfährt und unnötig Benzin verbraucht. Das absurdeste an dieser Thematik ist noch, dass es Offroader in Energieklasse A gibt, da die Energieetikette immer noch pro Gewicht berechnet wird.

Die zweite grosse aktuelle klimaproblematische Debatte ist der 2. Gotthardtunnel, welcher wenn es nach dem Willen des Parlaments gehen würde, gebaut werden sollte. Diese Frage wird Anfang nächsten Jahres vors Volk kommen. Geplant ist ein zweiter Gotthardtunnel für den Autoverkehr, damit zwei Tunnel existieren, aber beide nur auf einer Fahrbahn befahren werden – das Hauptargument der Befürworter ist somit auch die Sicherheit. Meine Meinung: Wers glaubt wird seelig. Denn wenn schon zwei Tunnel bestehen, werden sicher auch alle 4 Spuren befahren. Denn ein Tunnel bringt immer mehr Verkehr, das zeigt jegliche Erfahrungen nach Tunnelbaus. Die Sicherheit ist tatsächlich ein Problem im bestehenden Gotthardtunnel. Doch es gibt weit bessere Lösungen, wie zum Beispiel eine mobile Mittelplanke zwischen den Fahrspuren. Viel günstiger und ohne Mehrverkehr. Hinzu kommt, dass das Volk die Alpeninitiative angenommen hat und somit der Güterverkehr endlich auf die Schiene gehört. Bis heute ist der Volkswille nicht umgesetzt.

Seien wir also intelligenter in Zukunft, als wir das bisher waren. Nehmen wir diesen Hitzesommer als Warnschuss und packen wir endlich die Klimaproblematik an. Die Politik muss handeln, die internationale Gemeinschaft muss handeln, aber auch jede und jeder einzelne von uns kann und muss handeln. Es gibt viele verschiedene Handlungsfelder. Beispielsweise können wir den Nachtzug anstatt das Flugzeug nehmen, saisonal einkaufen oder Sparlampen brauchen. Die Möglichkeiten sind riesig, die Auswirklungen fürs Klima gross. Diese Woche war der Overshootday, das heisst, ab jetzt leben wir auf Pump, weil die Ressourcen für dieses Jahr schon verbraucht sind. Das sollte uns zu denken geben. Ändern wir also unter anderem unser Verhalten, unserer Lebensgrundlage und kommenden Generationen zuliebe.

 

Alle sind gegen Foodwaste – doch tun will dann doch niemand was

Meine Kolumne in der letzten Schweiz am Sonntag:

Momentan dominieren aussenpolitische Themen die Medien. Das ist auch verständlich, haben wir doch mit Griechenland und der EU tagtäglich einen Showdown. Auch unschöne Ereignisse im Ausland schaffen hier, zumindest für 2-3 Tage, die Zeitungen und Informationssendungen zu füllen.

Ich habe mir deshalb so kurz vor dem Sommerloch überlegt, was im Inland gerade so läuft und in der Öffentlichkeit kein Thema ist. Es existiert die Debatte, welche immer mehr Formen annimmt, aber von der Öffentlichkeit gar nicht gross wahrgenommen wird, über Foodwaste. Diesem Thema sollten wir viel mehr Gewicht geben.

Öffentlich wurde alles mit Gassenküchen, welche Lebensmittel, welche nicht mehr verkauft werden konnten, abholten und an finanzschwache Menschen abgegeben. Hinzugekommen sind Bäckereien, welche Brot frisch von gestern verbilligt verkaufen, Gemeinschaftskühlschränke, welche für alle offen stehen in Quartieren und Quartierzentren und eine Bundeskampagne gegen Foodwaste. Auch der WWF hat sich dem Thema angenommen und will Foodwaste eindämmen. Gesetzlich hat das alles bis heute noch nicht viel, jedenfalls nicht, wenn wir die Zahlen anschauen und die sind alarmieren.

1/3 der Lebensmittel landen in der Schweiz im Abfall. Und warum? Weil die Packungen zu gross sind und das Essen zu billig. Heute geben wir nur noch 7% unseres Haushaltseinkommens für Essen aus. Das spricht für sich. Essen ist nichts mehr wert, nein, es ist sogar so, dass wenn wir mehr kaufen, es billiger wird. Also wenn ein 10er Pack Hambugerbrötchen billiger ist als ein 5er Pack, nimmt man halt das 5er Pack und schmeisst die restlichen Brötchen weg. Ist das logisch – nein. Nur wenn das Portemonnaie ausschlaggebend ist eben schon.

Nun hat die Politik in den letzten 2, 3 Jahren das Problem erkannt und versucht einzugreifen. Diverse Vorstösse sind in der Pipeline. Zum Beispiel will SVP-Nationalrat Markus Hausamman, dass Foodwaste um 30% zurückgeht. Er als Landwirt weiss wovon er spricht, stellt er doch Tag für Tag Lebensmittel her. Mein Vorstoss in diese Richtung will eine Reduktion um 80%.

In der Kommission für Wissenschaft Bildung und Kultur  (WBK) haben wir gerade eine parlamentarische Initiative von Isabelle Chevalley  behandelt, welche will, dass Lebensmittel zumindest nicht mehr einfach verbrannt werden. Sie müssen abgegeben, an Tiere verfüttert oder zu Biogas verarbeitet werden. So wäre zumindest ein ressourcenschonender Umgang gewährleistet.

Ein weiterer Vorstoss meinerseits zielt in die gleiche Richtung. Nach dem Vorbild von Frankreich sollen die Detailhändler ihre Lebensmittelabfälle nicht mehr wegschmeissen dürfen. Sie sollen sie an karitative Zwecke abgeben oder zumindest zu Biogas verarbeiten.

Das Thema ist ein interessantes, denn das Problem ist erkannt und von allen auch anerkannt. Egal von welcher Partei jemand ist, für alle ist Foodwaste etwas Unverständliches und Unnötiges und trotzdem sind praktisch alle davon betroffen. Dennoch haben wir bis jetzt keine griffigen Massnahmen durch die Politik erreicht. Denn obwohl alle etwas tun wollen, bei der Gesetzgebung oder den internationalen Diskussionen gehen dann doch die billigen Nahrungsmittel vor. Handelsbeschränkungen bei Lebensmitteln bringt man im Parlament nur durch, wenn die Bauern selber betroffen sind. Alles andere kümmert niemanden oder es gehen wirtschaftliche Gründe vor.

Private haben wie gesagt die Initiative ergriffen und mit Restbrot-Bäckereien, Gemeinschaftskühlschränken, Gassenküchenprojekten, Anleitungen zum Containern etc. das Thema öffentlich gemacht und die eigentliche Sensibilisierung gestartet. Besser als jede nationale Kampagne bis jetzt. Die Schule sollte sich jedoch dem Thema Foodwaste auch annehmen und das Problem bei der Wurzel packen. Denn wenn wir gar nicht mehr wissen, wie Lebensmittel hergestellt werden, von wo sie kommen, welchen Weg sie zurückgelegt haben, können wir auch nicht entscheiden, ob wir jetzt viel zu wenig oder einen angemessenen Preis bezahlen. Die ganze Kreislaufwirtschaft, inkl. Lebensmittel, muss ein Schulfach werden.

Ich freue mich auf hoffentlich gute Resultate aus der parlamentarischen Arbeit und bin gespannt, ob doch Mehrheiten geschaffen werden können für griffige, gesetzliche Lösungen, wenn doch schon alle etwas gegen Foodwaste machen wollen.